Samstag, 18. Juni 2016

Wenn "Exklusiv" nicht exklusiv ist - der Sammelband-Trick

Gestern hat Amazon wieder E-mails an 150 auserwählte Autoren verschickt: 

Guten Tag,
herzlichen Glückwunsch! Sie haben sich im Monat Mai für einen All-Star-Bonus von KDP
Select qualifiziert.
Wir möchten die bei unseren Kunden beliebtesten Bücher speziell belohnen. Deshalb
prämieren wir jeden Monat die am häufigsten gelesenen KDP Select-Titel und -Autoren
(KDP Select, KDPS) mit einem KDP Select All-Star-Bonus.

Und wieder, wie bereits seit über einem Jahr, werden etliche Autoren in den Genuss einer nicht unbeträchtlichen Summe gelangen, die ihnen überhaupt nicht zusteht.
Wie kann das sein, handelt es sich um Trick-Bücher, wie sie SchreibFair in den letzten Monaten auf Amazon gefunden hat? Mitnichten, es handelt sich um Autoren, die bewusst die Exklusivität umgehen, zu der sie sich verpflichtet haben, als sie ihre Bücher für Kindle Unlimited freigeschaltet haben. Und die mit Sammelbänden tricksen – und das ziemlich erfolgreich. 


Mit anderen Worten, diese Autoren kassieren nicht nur doppelt – Verkäufe in allen Shops und gelesene KU-Seiten – sondern durch den All Star Bonus sogar dreifach und verstoßen dabei ganz eindeutig gegen die AGB. 
Denn schließlich heißt Exklusiv genau das, exklusiv über Amazon. In den KDP-Richtlinien ist das auch ganz einfach nachzulesen: 

Exklusivrecht
Mit der Anmeldung Ihres Buches für KDP Select verpflichten Sie sich dazu, dieses Buch während der gesamten Laufzeit des Programms exklusiv über KDP anzubieten. (…) 
Sie dürfen jedoch bis zu 10 % Ihres Buchs als Leseprobe auf anderen Websites zur Verfügung stellen (…). 

Das liest sich doch recht eindeutig und ist auch leicht verständlich. Trotzdem werden munter Sammelbände erstellt und in anderen Shops hochgeladen, oder die Sammelbände laufen über Amazon, während die Einzelbände hoch im Ranking von Thalia, Weltbild und anderen Shops zu finden sind. Bei Stichproben fand SchreibFair über 50 (!) Titel, die gegen die Select-Regel verstoßen. 

Was hat nun SchreibFair mit dem Verstoß gegen die Select-Exklusivität zu tun?

Wie unser Name sagt, geht es um Fairness, auch im Umgang mit anderen Autoren. Doch hier wird von etlichen Autoren-Kollegen seit sehr, sehr vielen Monaten alles andere als Fair gespielt. 
Die Autoren, die sich brav an die AGB halten, sind unterm Strich die Dummen, denn die unfair-agierenden Autoren nehmen ihnen Rankingplätze und Sichtbarkeit weg und die All Star Boni. 

SchreibFair ist seit vielen Monaten immer wieder auf diesen Missstand hingewiesen worden. Uns erreichten Nachrichten von frustrierten Autoren und Lesern, die diese Verstöße mehrfach an Amazon gemeldet haben. 
Amazon nimmt diese Meldungen zur Kenntnis. Aber passiert auch das, was in den AGB nachzulesen ist? Werden diese Titel von Select ausgeschlossen? 
Nein. Die Titel sind auch nach mehrfachen Meldungen, u.a. auch durch SchreibFair, immer noch bei KU gelistet und immer noch werden ihre Verfasser mit dem All Star Bonus belohnt. Das Nachsehen haben die Self Publisher, die sich an vertragliche Verpflichtungen halten. 

Viele Autoren und Leser – und auch die Mitglieder von SchreibFair – fragen sich, ob Amazon hier mit zweierlei Maß misst. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass diese Verstöße toleriert werden. 
Wobei auch erwähnt werden sollte, dass sich Amazon ebenfalls nicht an seine vertraglichen (neben-)Pflichten hält sich, indem es nichts unternimmt, bzw. nur zögernd tätig wird.

Auf Nachfrage bei anderen Autoren haben wir erfahren, wie schnell Titel noch vor anderthalb Jahren aus Select geflogen sind und ihr KU-Ranking verloren haben – selbst wenn kein Vorsatz des Autors dahinter stand, sondern nur ein Fehler eines Distributors oder eines Shops. Was hat sich geändert?

SchreibFair hat vor Verfassen dieses Beitrags mehrfach bei KDP nachgefragt, ob die Regeln inzwischen gelockert wurden und erhielten immer eine eindeutige Antwort. 



(…) ich kann Ihnen versichern, dass es nicht erlaubt ist Sammelbände über Select
verfügbar zu stellen während die Einzelbände auf anderen Webseiten angeboten werden. 
Gerne schicke ich Ihnen unsere Richtlinien für Bücher bei KDP Select: 
Digitale Inhalte an anderer Stelle sind auch dann nicht für KDP Select zulässig, wenn zusätzliche Inhalte hinzugefügt oder entfernt werden (z. B. Bonuskapitel, Kommentar des Autors, Illustrationen usw.), eine Buchsammlung oder andere Ausgabe erstellt wird, die Veröffentlichung in mehreren Teilen oder unterschiedlichen Formaten erfolgt, sprachliche Änderungen vorgenommen oder Marketing Cover oder Metadaten des Titels usw. geändert werden. 
 Alle Inhalte, die exklusiv bei Amazon über KDP Select veröffentlicht wurden, dürfen ausschließlich auf unserer Website zum Kauf angeboten werden. 
Sie dürfen die Inhalte nicht kostenlos verfügbar machen oder an anderer Stelle im digitalen eBook-Format zum Verkauf anbieten. Dies gilt auch für die Veröffentlichung des Inhalts Ihres Buches auf persönlichen Websites, Blogs usw.






Fazit: Exklusiv heißt immer noch exklusiv. 

Nur müssen einige Auserwählte wohl doch nicht ganz so exklusiv sein, oder gibt es eine andere Erklärung? SchreibFair wünscht sich, dass von Seiten Amazons wieder so zügig gehandelt wird, wie noch vor anderthalb Jahren. Auch im Hinblick auf die vielen Autoren, die fair spielen.

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