Montag, 6. Juni 2016

Blind Lies – wenn ein Romantitel die Wirklichkeit überholt

Am 9. Februar dieses Jahres veröffentlichte einer kleiner, unbekannter Verlag auf seiner Facebookseite   folgendes Statement: 



Wie man unschwer erkennen kann, wurde der Beitrag 70 Mal geteilt. Wer sich etwas mit den Mechanismen dieses Sozialen Netzwerkes auskennt, kann sich vorstellen, welche Reichweite und Aufmerksamkeit damit erzielt wurde. Sieht man diese Meldung im Zusammenhang mit den damals öffentlich gewordenen Plagiaten von Katja Piel und Hannah Ben, bekam dieses Statement noch eine viel brisantere Bedeutung. Plagiat, Urheberrechtsverletzung – bald wurde alles durcheinander geworfen. 

Zu den oben genannten Urheberrechtsverletzungen, es ging um einige Zitate, wird sich SchreibFair nicht äußern, der Fall liegt z.Zt. bei den Anwälten. Nur so viel: das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. 

Was allerdings nicht unerwähnt bleiben sollte, ist ein Posting der Autorin Chris McHart auf ihrer Facebookseite, von 12. Februar. 

Wer sich auch nur etwas im Verlagswesen auskennt, dem wird klar, diese Verhandlungen fanden nicht erst nach dem 9. Februar statt. Warum das interessant ist? Sam Nolan wird vom Main Verlag vorgeworfen, McHarts Buch plagiiert zu haben. 

Auf Rat ihres Anwalts hatte Sam Nolan – trotz dieser schweren und rufschädigenden Vorwürfe – abgewartet und gehofft, dass sich der Sachverhalt klären würde. Immerhin war sie sich keiner Schuld bewusst. Vergeblich. 

Letzte Woche kontaktierte sie Schreib Fair und bat um Hilfe und um Prüfung des Sachverhalts. 
Die folgende Tage entwickelten sich zu einem kleinen Krimi, denn schon bald taten sich erste Widersprüche auf. 

Ein Blick zu Amazon zeigte, dass Nolans Buch "Blind Lies" dort bereits am 9. August 2014 veröffentlicht wurde, McHarts Buch "Small Steps" jedoch am erst 21. September. 2015 
Wie konnte man da von einem Plagiat sprechen? 
Überraschend  erhielt das Team von Schreib Fair die Information, dass McHarts Text bereits im zweiten Halbjahr 2014 in einem US-Forum hochgeladen worden war. 
Leider war es uns nicht möglich, Beweise für diese Behauptung zu finden. 
Ein Kontaktaufnahme mit der Autorin wurde unter Hinweis auf ihren Anwalt abgebrochen. Daher haben wir das derzeit auf Amazon verfügbaren E-book gekauft und McHarts Text mit dem Roman von Nolan verglichen.

Als erstes fiel uns auf, dass die Klappentexte recht ähnlich sind. Es ist die gleiche Ausgangssituation und auch der Name einer der Protagonisten stimmte überein. Da öfter der Verdacht geäußert worden war, dass Sam Nolan ihre Spuren getilgt hätte, ließ sich  Schreib Fair mehrere Versionen von "Blind Lies" schicken: Ein PDF, welches die Autorin seinerzeit bei Create Space hochgeladen hatte, als nächstes bekamen wir eine E-Mail mit Anhang, die sie seinerzeit an den Main Verlag geschickt hatte – sie enthielt mehrere Texte der Autorin und auch besagtes "Blind Lies" und letztendlich das E-Book, dass der Main Verlag veröffentlicht hatte. Ein Textvergleich ergab, das es nur unwesentliche Unterschiede zwischen den drei Versionen gab. 

Im letzten Schritt folgte der Textvergleich mit dem englischen Text von Chris McHeart, der übrigens rund 20.000 Wörter weniger als Nolans Text hat. 
Die Prüfung durch zwei unabhängige Gutachter brachte ein eindeutiges Ergebnis: Sam Nolan hat nicht abgeschrieben. Es gibt keinerlei signifikante Übereinstimmungen, die auf ein Plagiat hinweisen.

Das Team von Schreib Fair freut sich, dass es der Autorin helfen konnte, diesen üblen Verdacht ein für allemal aus der Welt zu schaffen. 


Kommentare:

  1. Als einer der Probe- und Korrekturleser von Sam Nolan freue ich mich, dass Schreib fair sich diesem Sachverhalt angenommen hat. Ich selbst habe Blind Lies bereits vor einigen Jahren gelesen, damals noch unter einem Arbeitstitel. Nichtsdestotrotz kann ich sagen, dass Sam mir Blind Lies bereits 2013 zum Korrekturlesen geschickt hat. Freundliche Grüße, auch an Herrn Alster :) Frank Hintennach

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  2. Ich bin Froh, dass dieses Thema hier auch mal sachlich geprüft wurde. Der Verlag setzte einfach eine sehr schwammige Info in Facebook ein undging auf weitere Nachfragen kaum ein (weder Nachfragen von Fans noch von Lesern oder von der Autorin). Doch hier erhält man mal wenigstens vernüftige und Stichhaltige Antworten, ich meine Klar jede Story wurde bestimmt schonmal geschrieben aber nur weil sich was ähnelt und weil die Autorin von ihren Rechten gebrauch macht sie so schlecht zu machen ist nicht die feine Art.
    Danke liebes SchreibFair Team dass sich mal Jemand der nicht vorbelastet ist un auf keiner Seite steht dem Thema angenommen hat ihr habt bei mir ein Stein im Brett.

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  3. Gut, dass es auch das Gegenteil gibt! Nicht gut, dass man so verleumdet werden kann, wenn man gar nichts getan hat!
    Gut, dass ihr das richtig stellt!!

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  4. Das freut mich so.
    Ich habe nie an ihr gezweifelt. Bin aber so glücklich das es endlich für sie und alle anderen klar gestellt wurde!!!!!

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