Montag, 25. April 2016

Offener Brief an Amazon - Schluss mit KU-Betrügern!

Der folgende Text wurde heute von Schreib Fair auf Facebook gepostet – mit überwältigender Resonanz: Fast 500 Autoren und Leser haben innerhalb von sechs Stunden unterzeichnet, über 250 teilten den Beitrag auf Facebook und über 2200 wurde der Brief gelesen.


Offener Brief an Amazon SCHREIB FAIR·MONDAY, APRIL 25, 20162, 2.270 Reads

Liebes Amazon! Wir – das sind eine Menge Autoren und Leser – lieben Amazon. Vor allem wir KDP Autoren sind doch sehr zufrieden mit dem System. Und deshalb engagieren sich einige von uns dafür, dass das System auch eins bleibt. 
Seit geraumer Zeit hat sich eine Spezies im Amazonasgebiet angesiedelt, die das Ökosystem empfindlich stört. »Autoren« wäre an dieser Stelle zu hoch gegriffen, nennen wir sie mal beim Namen: KU-Trickser und Betrüger. 
Sie betreiben seit vielen Monaten ein sehr lukratives Geschäftsmodell. Da werden z.B. lustig Rezepte, Anleitungen, Ratgeber von Webseiten kopiert und als Ebook hochgeladen. Das Ganze durch die automatische Übersetzung gejagt und schon hat man alles in mindestens sechs Sprachen, das lohnt sich dann auch viel mehr. Frei verfügbare Inhalte finden den Weg in den Kindle-Shop, werden bei Select angemeldet und die Kopierer kassieren dann monatlich den All Star. 

Moment! War da nicht was? Ach ja, man darf ja nicht Inhalte anbieten, mal abgesehen von der Klauerei, die anderswo digital verfügbar sind. Solche Bücher waren bei KDP Select ausgeschlossen. 
Nicht so die Kopierwerke dieser Klautoren. 
Das scheint völlig in Ordnung zu sein für Dich, Amazon. Wir ehrlichen Autoren investieren unsere Zeit, unsere Nerven und unser privates Geld, um die Plattform sauberzuhalten, damit der All Star Bonus die Leute motiviert, die Motivation brauchen: die Selbstschreiber. 
 Wir haben in den vergangenen Monaten viele dieser Fake-Bücher ausfindig gemacht – Rätselbücher, Sprungmarkenbücher und, und, und – wir haben sie gemeldet, gemeldet, gemeldet. 
Wir haben Listen erstellt, wir haben telefoniert mit Deinen Mitarbeitern. Wir haben E-Mails geschrieben. 
Während im März noch zaghaft reagiert wurde, seid Ihr inzwischen auf Tauchstation gegangen und es passiert nichts. 
 Warum? Seid Ihr selbst von dem Ausmaß erschrocken? Aber warum behindert Ihr uns dann? 
Wir haben um eine E-Mail-Adresse gebeten, damit man diese Dinge gesammelt melden kann. Da hieß es, dass eben genug Leute das melden müssten, wir sollten mehr Leute aktivieren, die das immer wieder ankreiden.
Ist das Dein Ernst, Amazon? Das würde ja bedeuten, dass man relativ sicher plagiieren und betrügen kann auf Deiner Plattform. Denn wer macht sich schon die Mühe, Dutzende Melder zu nötigen, eine E-Mail zu schreiben? 
Es scheint in der Tat recht sicher zu sein, denn die Bücher sind zum großen Teil immer noch online. Die Kopierer und Betrüger machen weiter. Aber die überführten Plagiatoren! Die bekommen wenigstens den Account gesperrt! Auf Lebenszeit! Haben wir gedacht. Gut, ganz so ist es nicht, liebes Amazon. Du lässt den Plagiatoren ihren Account und bietest ihnen zusätzlich den Kindle-Deal an. Den sie doch sehr gern annehmen. 
Das ist ein Schlag ins Gesicht für die ehrlichen Autoren, die sich langsam fragen, wofür sie noch selbst schreiben. 
Betrügen lohnt sich so viel mehr, hat überhaupt keine Konsequenzen und ist ganz einfach. 
Warum siehst Du Dir nicht die potentiellen Empfänger eines All Stars vorher etwas genauer an? Dann würde es dir vielleicht seltsam vorkommen, wenn ein »Autor« plötzlich sagenhafte KENP-Zahlen erreicht, die er nach markttechnischen Gesichtspunkten niemals erreichen dürfte. 
Professionelle KU-Klicker – das sagt Dir doch sicher etwas. IT ist doch genau Dein Ding, warum ignorierst Du das Offensichtliche? Okay, unterm Strich kann es Dir vermutlich egal sein, ob Du richtigen Autoren die Gelder überweist oder Betrügern. Aber was sagen Deine geschätzten Kunden, die ihre KU-Abos kündigen, weil sie immer mehr Müll angeboten bekommen? 
Was wäre, wenn immer mehr Autoren keine Lust auf immer weiter sinkende Seitenentlohnungen haben und gleichzeitig höhere Anforderungen für den All Star? 
Es passiert jetzt bereits, dass immer mehr Deiner Top-Autoren Select den Rücken kehren. 
Wir, die Autoren, spielen nach Deinen Regeln, die Betrüger tun es nicht und werden belohnt. Merkst Du, was an diesem Bild nicht stimmt? 
Es wird nichts unternommen. Und damit wird ein falsches Zeichen gesetzt. Meldet ein empörter Leser einen Kommafehler, bekommt der Autor eine Aufforderung, diesen zu entfernen und das Buch neu hochzuladen. Wieder und wieder. Stellt der Klautor ein Plagiat online, passiert – nichts. 
Stellt der Kopierer ein Buch ein, das nicht den Bedingungen für Select entspricht, passiert – nichts. Sind Profi-KU-Klicker am Werk, passiert – nichts. 
Verstehst Du, dass die ehrlichen Autoren frustriert sind? Wenn die Betrüger das erst verinnerlicht haben, wird das KDP-Angebot irgendwann zum großen Teil aus kopierten Onlineartikeln und zwölffach hochgeladenen Erotikkurzgeschichten mit Sprungmarken bestehen, die von Klick-Farmen hochgepusht werden. Vielleicht wird dann – irgendwann – etwas geändert. 
Aber schöner wäre, Du tust genau jetzt was dagegen, Amazon, und zeigst uns, dass unsere investierte Zeit nicht umsonst war. So viele von uns arbeiten für ein korrektes, plagiatfreies Angebot in Deinem Laden. 
Du auch? 

Es grüßen KDP-Autoren und Kindle-Leser

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