Donnerstag, 7. April 2016

Copy & Paste – das neue Geschäftsmodell der KU-Abzocke

Über 150 Treffer ergibt die Suche im Kindle-Shop nach Peggy Sokolowski.

Fleissig, fleissig, diese Autorin! Auf jeden Fall eine emsige Google-Userin. Denn Peggy Sokolowski bedient mehr die Suchmaschine als ihre Tastatur. Schließlich wimmelt das Internet von fertigen Texten, Recherchen, Rezepten, Ratgeberartikeln. Um diesen Content-Reichtum in bare Münze zu verwandeln, hat die „Autorin“ KDP Select für sich entdeckt. Und das ist denkbar einfach.

1. Artikel im Web suchen und finden, zum Beispiel hier zum Thema cholesterinarme Ernährung Die neue cholesterinarme Küche.


Fertig!

So verkauft man ohne Aufwand das Wissen einfach neu, das sich jeder auch kostenlos aus dem Netz ziehen könnte. Auch dem einen oder anderen Rezensenten ist dies inzwischen aufgefallen:
„Nachdem ich das Buch komplett durchgearbeitet habe, muss ich sagen, dass die meisten Informationen kostenlos im Internet gefunden werden können. Sogar besser aufbereitet. Das Buch ist etwas für Leute, die absolut keine Vorkenntnisse haben eventuell sinnvoll.“ (Alexander Schaaf)
Quelle: Amazon.de
Peggy S. hat sich mit dieser Methode mehrmals den All Star-Bonus sichern können.  In der Reihe ihrer Veröffentlichungen finden wir auch Ebookausgaben in anderen Sprachen. Und wir finden noch mehr.
Wer einmal nach dem Namen „Bernhard Long“ sucht, dem begegnen Kindle-Bücher, die einem irgendwie bekannt vorkommen. 

Ein Buch, dessen Klappentext wir sofort hier finden: http://eatsmarter.de/ernaehrung/kinderernaehrung/ernaehrung-in-der-schwangerschaft

Und hier haben wir das komplette Buch als Gratis-PDF zum Download gefunden.

Der Blick ins Buch lässt erahnen: Es ist derselbe Text, nur auf Englisch.
Peggy S.: 
Quelle: Amazon.de 
Bernhard L:
Quelle: Amazon.de

Ist es Zufall, dass Bernhard L. zahlreiche Bücher von Peggy S. in einer anderen Sprache herausbringt? Oder macht sich ein anderer Autorenname, vielleicht sogar ein Zweitaccount, einfach besser? Zumindest wurde nicht dasselbe Cover verwendet.
Peggy S., das sind viele Kochbücher, viele Sprachen, Preise bis 9,99 für eine Kindle-Ausgabe.  Und der All Star zeigt, dass das Copy & Paste-Geschäft sich lohnt.
Das Nachsehen haben die anderen, ehrlichen Kindle-Autoren. Und die getäuschten Leser. Und die Urheber der Texte.
Denn ganz so einfach, wie man denkt, kann man diesen Machenschaften nicht beikommen – erstaunlicherweise!

Hier wünschen wir uns ein besseres Meldesystem seitens Amazon. Wer versucht, über die Produktseiten solche Bücher zu melden, klickt sich durchs Nirwana und gibt irgendwann auf.  Was bleibt, ist ein unendlich mühsamer Weg des Recherchierens, Beweisesammelns und Meldens, der in manchen Fällen auch nach Wochen noch keine Wirkung zeigt.
Dabei verstoßen solche Autoren gegen Urheberrechte und gegen die Nutzungsbedingungen von KDP Select, die deutlich sagen, dass der Buchtext exklusiv in digitaler Form Amazon zur Verfügung stehen muss, solange das Select Programm läuft. Die Exklusivität ist natürlich hinfällig, wenn man den Buchinhalt an anderer Stelle legal gratis downloaden oder einfach nachlesen kann.
Bisher ist uns ein Buch bekannt, gegen das die Rechteinhaber vorgehen werden. Ansonsten mahlen die Mühlen langsam und sie knirschen dabei ­ – oder war es das Echo von hunderten Selfpublisher-Zähnen, die diese Frechheit ertragen müssen? Wer weiß!

edit: 
Inzwischen ist Amazon tätig geworden und die eBooks werden nach und nach gelöscht.

Kommentare:

  1. Herrje, Leute. Ich sage es mal wie es ist: solange Amazon sich nicht wirklich geschädigt fühlt, wird da keiner etwas dagegen tun. Ich habe bereits vor einiger Zeit einige Tricks aufgedeckt. Ich habe viele Methoden zusammengefasst, dies oben ist nur eine von wenigen. Ich habe die Presse kontaktiert. Anfänglich großes Interesse, dann aber nicht mehr... ich weiß, dass einige Millionen Euro durch derartige Tricks in den vergangenen Monaten erwirtschaftet worden sind. Aber keinen interessiert es.

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  2. Autorenfresser und Plagiateure gehören vor den Kadi

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